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Wirtschaft

Mainfranken Wirtschaftlich

Mainfranken wirtschaftlich: Region in Transformation

Nichts ist so beständig wie der Wandel – dieser Satz gilt für vieles, aber insbesondere auch für die Wirtschaftsstruktur in Mainfranken. Auch wenn Veränderung seit jeher zum Wirtschaftsalltag dazugehört, so hat man den Eindruck, dass Geschwindigkeit und Intensität der Neuerungen immer mehr an Fahrt aufnehmen. Nicht zuletzt Digitalisierung und Nachhaltigkeit als die beiden zentralen Megatrends unserer Zeit sorgen dafür, dass sich in Folge gerade die mittelständische Wirtschaft immer neuen Aufgaben stellen muss – für die mittelständisch geprägte Region Mainfranken ist das von besonderer Relevanz. Das Positive hierbei: der Mittelstand hat in der Vergangenheit jeden Wandel stets gemeistert und wird dies auch zukünftig tun – insofern er die Chancen dazu bekommt!

Mit Hilfe moderner Technik von SKF wird vor der schottischen Küste eine Kraftquelle der Natur angezapft – die Energie des Mondes, auf der Erde spürbar in den durch seine Anziehungskraft erzeugten Gezeitenströmen des Meeres. In 15 Metern Tiefe unter einem zigarrenförmigen, schwimmenden Überbau von der Länge eines Jumbo-Jets, befinden sich an zwei tragflächenartigen Armen zwei voll integrierte Antriebsstränge von SKF – die eigentlichen Kraftwerke. Im Bild: die Tidenturbine bei der Abnahme im Schweinfurter Werk
Mit Hilfe moderner Technik von SKF wird vor der schottischen Küste eine Kraftquelle der Natur angezapft – die Energie des Mondes, auf der Erde spürbar in den durch seine Anziehungskraft erzeugten ­Gezeitenströmen des Meeres. In 15 Metern Tiefe, unter einem zigarrenförmigen, schwimmenden Überbau von der Länge eines Jumbo-Jets, befinden sich an zwei tragflächenartigen Armen zwei voll integrierte Antriebsstränge von SKF – die eigentlichen Kraftwerke. Im Bild: die Tidenturbine bei der Abnahme im Schweinfurter Werk. Foto: SKF

Mainfranken als resiliente und heterogene Wirtschaftsregion

Unsere tolle Region Mainfranken ist von einer enormen Heterogenität der Wirtschaftsstruktur und der hier beheimateten Branchen sowie Unternehmen geprägt. Unternehmen wie z. B. Bosch Rexroth AG, Flyeralarm GmbH, Knauf Gips KG, Koenig & Bauer AG, SKF GmbH, s.Oliver, va-Q-Tec AG, WAREMA Renkhoff SE oder ZF prägen die Region ebenso wie viele erfolgreiche familiengeführte Unternehmen in allen Teilregionen sowie die enorme Anzahl und für Mainfranken so wichtigen kleinen Betriebe – nicht zu vergessen eine in den letzten Jahren stetig wachsende Startup-Szene. Bei rund 71.000 IHK-Mitgliedsbetrieben zu Jahresbeginn 2023 und annähernd 400.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden rund 30 Prozent der Bruttowertschöpfung vom Produzierenden Gewerbe erwirtschaftet, etwa 25 Prozent von öffentlichen/ sonstigen Dienstleistungen und etwas weniger von Finanz-, Versicherungs- oder Unternehmensdienstleistungen. Etwas mehr als 17 Prozent entfallen auf Handel, Gastgewerbe oder Verkehr. Über 44 Prozent Exportquote deuten nebst breit aufgestellter Wirtschaft zugleich auf die hohe internationale Verflechtung hin. Und eine Anzahl von fast 2300 aktiven Ausbildungsbetrieben in kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen zeigen die positive Ausrichtung auf die Qualifizierung junger Menschen durch die in Mainfranken ansässigen Betriebe. Gepaart mit weiteren Rahmenbedingungen der Region, von diversen Hochschulen und Instituten aus Forschung und Entwicklung, einer guten Infrastruktur sowie einem sehr hohem Lebenswert ist Mainfranken im Herzen von Europa gut gewappnet für die Veränderungen, die auf die Unternehmen, auf einzelne Branchen oder eine ganze Wirtschaftsregion zukommen. Denn die Vielschichtigkeit der Branchen, aber auch die regionalen Differenzierungen in den Landkreisen und Städten, haben in den letzten Jahren eine hohe ökonomische Resilienz bestätigt. 

Transformation stellt uns viele Fragen

Spricht man von Veränderung, dann meint man im Wirtschaftskontext zuletzt stets mehr eine Transformation. Doch was bedeutet das? Im hiesigen Sinne meint Transformation je nach Intensität nicht weniger als eine Veränderung der Wirtschaftsstruktur wie wir sie kennen. Aufgrund technologischer Innovationen – darunter die beiden schon genannten Megatrends Digitalisierung und Nachhaltigkeit – ändern sich bewährte Geschäftsmodelle, die bis heute noch funktionieren.

Für was braucht es Unternehmensberatungen oder Rechtsanwälte, wenn eine Künstliche Intelligenz diese Aufgaben effizienter und schneller übernimmt? Weswegen braucht es Verarbeitungsprozesse im Maschinenbau, wenn alle Produkte, die wir benötigen, aus dem 3D-Drucker kommen? Warum braucht es eine Infrastruktur mit Straßen und Schiene oder gar neue Gewerbeimmobilienkomplexe mit zahlreichen Büroflächen, wenn demnächst alle Beschäftigten in ihrem Home Office sitzen und mit einer Virtual-Reality (VR)-Brille auf Kundenbesuche gehen? Ganz so weit wird es sicherlich nicht kommen – zumindest nicht in den nächsten Jahren – aber diese Fragen zeigen der Kern dessen, worum es beim Stichwort Transformation geht: Digitalisierung und Nachhaltigkeit als die beiden alle anderen überlagernden Megatrends werden ohne Zweifel zu deutlichen Veränderungen in der Arbeitswelt führen. Es stellen sich Fragen nach möglichen neuen Branchenstrukturen, nach deren Wirtschaftsleistung, der Anzahl der zukünftigen Beschäftigungsverhältnisse und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

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Blick in den Arbeitsalltag. Foto: va-Q-tec

Bezogen auf die Veränderungen in einzelnen Branchen manifestiert sich die Transformation im obigen Sinne nirgends so gut wie in der Automobil- sowie deren Zulieferindustrie. Elektrifizierung, Automatisierung oder Vernetzung sind zentrale Themen rund um das Automobil, die nicht zuletzt auch für unseren Wirtschaftraum von Relevanz sind. Die Mobilität von morgen sieht voraussichtlich anders aus als heute. Aber wenn zukünftig keine Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden, was bedeutet dies für die zahlreichen Zulieferbetriebe in der Region? Wenn sich unser Fahrverhalten ändern sollte – weg vom Individualverkehr – welche Entwicklungen ergeben sich für den Absatz von privaten Pkw hierzulande? Und wie steht es um die Zukunft der zahlreichen Beschäftigten in dieser Branche? Antworten auf diese Fragen sind essenziell für Mainfranken. Das Projekt transform.RMF von der Region Mainfranken und der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir in der Region gemeinsam Strategien für die regionale Transformation dieser für uns wichtigen Branche erarbeiten, das Interesse der zahlreichen kleinen und mittleren Betriebe berücksichtigen und zum Beispiel durch die Konzentration auf Qualifizierung Nachwuchsführungskräfte für die Region begeistern können. 

Und eines dürfen wir nicht vergessen: die Automotive-Branche ist eine von vielen in Mainfranken. Auch Bereiche wie Medizin und Gesundheit, Energie und Umwelt, Medien und IT und andere werden Antworten auf Fragen im Zuge der Transformation finden müssen. 

Rahmenbedingungen und Köpfe entscheiden die Transformation

Einfache Antworten auf Fragen zu den Folgen der Transformation für die Region gibt es nicht. Die Folgen von zahlreichen Impulsen einerseits und die enorme Dynamik und Innovation andererseits, die Themen wie Künstliche Intelligenz, 3D-Druck, Industrie 4.0 oder Automatisierung mit sich bringen, kann heute niemand in Gänze absehen. Umso wichtiger ist es, sich auf die richtigen Rahmenbedingungen in der Region zu konzentrieren. Hierbei sind aus Sicht der IHK Würzburg-Schweinfurt zwei Punkte maßgeblich: Erstens die durch Politik und Gesellschaft ermöglichten Freiheitsgrade für die Wirtschaft und die entsprechenden Rahmenbedingungen – denken wir an digitale Verwaltungsstrukturen, die Bereitstellung von unerlässlichen Infrastrukturen (Breitband, Energie, Mobilität) und den Abbau bürokratischer Belastungen. Und zweitens sind noch viel stärker als bislang diejenigen Faktoren unserer Wirtschaftsregion in den Fokus zu nehmen, die wesentlich zur Transformation beitragen: die Menschen und ihre vielen tollen Ideen. Heben wir diese Potenziale, dann gelingt auch die Transformation in unserer Region.

Der BASF-Roboterarm ahmt die Bewegungen eines menschlichen Arms nach und kann so Produkte aller Art lackieren
Der BASF-Roboterarm ahmt die Bewegungen eines menschlichen Arms nach und kann so Produkte aller Art lackieren. Foto: Schmelz-Fotodesign

Wissenschaftliche Einrichtungen als wichtige Begleiter der Transformation

Annähernd 40.000 Studierende an der Universität Würzburg, an der THWS sowie an der Hochschule für Musik bieten die Grundlage für den Nachwuchs an Fach- und Führungskräften aus der Region für die Region. Nicht zu vergessen die vielen anderen Bildungseinrichtungen und Schulen, die die das notwendige Wissen an ihre Lernenden weitergeben. 

Darauf aufbauend bieten Forschungseinrichtungen und Institute zu den unterschiedlichsten Zukunftsthemen Lösungen, um neue technologische Entwicklungen in den Alltag der Unternehmen und insbesondere des Mittelstands zu integrieren: so zum Beispiel das Center for Applied Energy Research e. V. mit einem Schwerpunkt um Klimaschutz oder Wasserstoff, das SKZ Kunststoff-Zentrum im Bereich neue Materialien oder auch das Zentrum für Telematik e. V. mit dem Schwerpunkt Raumfahrt. Bedeutsam ist in diesem Kontext auch die Entscheidung zur Realisierung neuer Technologietransferzentren (TTZ) in der Region. Neben den bereits in Bad Neustadt (E-Mobilität) und Haßfurt (Smart Polymer Pipe Systems) bestehenden TTZ werden zukünftig in Bad Kissingen (Nachhaltige Digitale Transformation), Kitzingen (Robotik – Künstliche Intelligenz – Digitalisierung) und Main-Spessart (Nachhaltige digitale und additive Produktion) drei weitere TTZ die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft fördern. Und schließlich ermöglichen es regionale Gründerzentren wie das das GRIBS in Schweinfurt, das RSG in Bad Kissingen, das TGZ Würzburg oder das ZDI Mainfranken in der gesamten Region, Know-how und Expertise auch in neue und innovative Geschäftsideen zu transferieren. Sie fördern damit Startups als Kooperationspartner für den Mittelstand und etablieren zudem einen dynamischen Transformations-Spirit in Mainfranken. Die Mischung aus qualifizierten Köpfen, Forschungseinrichtungen und den Akteuren, die aus Ideen Geschäftsmodelle entwickeln, ist entscheidend, um Änderungen im Zuge der Transformation unserer Wirtschaftsregion – unabhängig der jeweiligen Branche – mit dem auszustatten, was es braucht: Innovative Idee und Menschen, die diese in die Tat umsetzen wollen.

Tatsache ist: Mainfranken ist bestens aufgestellt für die Anforderungen der Zukunft. Denn bei allen Unwägbarkeiten, die eine Transformation mit sich bringt, darf man eines am Ende nicht vergessen: Transformation ist eine Chance für die Zukunft, man muss sie nur ergreifen. Packen wir es an!

Titelbild: Teststand für Hochstrom-­Batteriekanäle für Zellen aus dem Automobilbereich, der stationären Energiespeicherung und anderen Hochleistungs- oder Großzellen­anwendungen. Foto: K. Dobberke für Fraunhofer ISC