NACHHALTIGKEIT UND VERANTWORTUNG: DER MITTELSTAND ALS ERFOLGSREZEPT
Nachhaltigkeit ist kein neues Thema – aber sehr aktuell. Gesellschaftliche Herausforderungen wie der Klimawandel, Ressourcenknappheit, demografische Entwicklung aber auch Digitalisierung und die immer stärker vernetzte Welt rücken die Frage nach der Verantwortung der Wirtschaft mit Nachdruck in den Fokus: denn nur gemeinsam mit der Wirtschaft lassen sich Antworten auf die Megatrends unserer Zeit finden.
Wenn man über Nachhaltigkeit – oder auch Corporate Social Responsibility (CSR) – spricht, meint man die Wahrnehmung von Verantwortung eines Unternehmens in Folge des eigenen Handelns für die relevante Gesellschaft. Ein Betrieb muss, um nachhaltig zu agieren, zum Beispiel im CSR-Handlungsfeld Ökologie, Ökonomie, Arbeitswelt oder Gemeinwesen beachten, welche Auswirkung sein Handeln für das Unternehmen selbst, aber auch zum Beispiel für Interessengruppen wie Arbeitnehmer, Zulieferer oder Kunden hat .
Noch viel zu häufig begegnen einem in Gesprächen rund um Nachhaltigkeit Kommentare wie „Dafür habe ich jetzt keine Zeit, das mache ich später. Heute muss ich Umsatz erzielen.“, oder „Gewinne und Schutz des Klimas – es geht nur das eine, oder das andere!“. Und dies ist exakt die zu überwindende Hürde in noch immer zu vielen Köpfen fernab der Wirtschaft, die im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig zu überwinden gilt: Nachhaltigkeit und Unternehmenserfolg sind zwei Seiten ein und derselben Medaille! Unternehmerischer Erfolg und gutes Wirken als Betrieb gehen in Hand und Hand. Ein vermeintlicher Trade-Off zwischen Nachhaltigkeit und betriebswirtschaftlichem Erfolg ist schon lange überholt. Einerseits sorgen ordnungspolitische Maßnahmen dafür, dass fast alle Unternehmen mittelfristig nachhaltigkeitsspezifische Facetten in ihre Handlung miteinbeziehen müssen (denken Sie an das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz oder die Regelwerke rund um die Thematik Sustainable Finance); andererseits sorgt das Verhalten von Marktteilnehmer dafür, dass Unternehmen von sich aus ohnehin zu recht erkennen, auf unterschiedliche CSR-Handlungsfelder setzen zu müssen – sei es bei der Gewinnung von Mitarbeitern oder beim Absatz auf dem Konsumgüter- sowie Dienstleistungsmarkt. Es muss uns aber gelingen, diese Erkenntnis, dass Unternehmenserfolg und Nachhaltigkeit zwei Seiten der gleichen Medaille sind, in der breite der Gesellschaft zu verankern.
Erfreulich ist, dass die Wirtschaft selbst und hierbei Mittelstand seit jeher erkannt hat, dass Unternehmenserfolg und Nachhaltigkeit identisch sind. Nicht nur ist das Leitbild der ehrbaren Kaufleute ein Erfolgsgarant der Unternehmen und der Region – wie zum Beispiel der jüngste IHK-Standortreport Mainfranken zeigt. Auch die vielen positiven Beispiele erfolgreich nachhaltiger Betriebe sprechen für sich. So gab und gibt es in den letzten Jahren zum Beispiel eine ganze Reihe von Preisträgern aus Mainfranken, die im Rahmen regionaler Wettbewerbe wie dem Nachhaltigkeitspreis der Region Mainfranken GmbH geehrt wurden. Auch im IHK-Magazin „Wirtschaft in Mainfranken“ werden regelmäßig Beispiele proträtiert. Nichtsdestotrotz sollte noch mehr viel mehr Transparenz geschaffen werden, auch um anhand von so vielen Unternehmensbeispielen wie möglich zu verdeutlichen, dass das Leitbild ehrbare Kaufleute gerade den mittelständischen Betrieben originär in die eigene „DNA“ gepflanzt ist. Hierbei darf es nicht um Greenwashing gehen, also das Kommunizieren nachhaltigen Handelns ohne tatsächliches Vorliegen, sondern schlicht um das Aufzeigen all der positiven Ansätze, die wir haben. Die IHK versucht durch die bereits 2018 initiierte Verantwortungsregion Mainfranken gemeinsam mit der HWK für Unterfranken, der Universität Würzburg und der THWS sowie der Region Mainfranken GmbH Sichtbarkeit für nachhaltiges Unternehmertum zu schaffen. Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit den Hochschulen wird der gesellschaftspolitische Ansatz gestärkt, die Bildung weiterhin an oben genannter Überwindung des vermeintlichen Trade-Offs zwischen betriebswirtschaftlichem Erfolg und Nachhaltigkeit arbeiten zu können.
Und ein Letztes darf man nicht vergessen: gute Beispiele animieren dazu, sie nachzumachen. Und wenn wir darüber sprechen, wie es uns gelingen kann, mehr junge Menschen für Unternehmertum und den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit zu begeistern, dann nutzen wir doch den nachweislich in den Generationen Y und Z (und darüber hinaus) verankerten positiven Antrieb, die Welt ein Stückchen besser zu machen dazu, um auch die Gründungsdynamik hierzulande zu verbessern. Und was liegt näher, um den gesellschaftlichen Herausforderungen – wie es zum Beispiel der Klimawandel auch für Mainfranken sind – ebenda durch unternehmerische Ideen und Innovation entgegenzutreten.
Titelbild: PV-Anlagen sind im Hinblick auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien ein wichtiger Baustein in der Strategie, beispielsweise des Fachlabors Laboklin in Bad Kissingen, um sich im Punkt Nachhaltigkeit deutlich zu verbessern. Zwei leistungsstarke Anlagen mit je 100 kWp sind für 200.000 kWh Ertrag an „grünem Strom“ ausgelegt. Foto: Steffen Kraus/Laboklin