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Kultur- und Kreativwirtschaft

Das Mozartfest in der Würzburger Residenz ist ein Muss für Klassik-Fans. Ein besonders stimmungsvolles Erlebnis bietet dabei die Kleine Nachtmusik im Hofgarten. Foto: Peter Schumann

DIE KULTUR- UND KREATIVWIRTSCHAFT

Medien und die Kreativwirtschaft haben in Mainfranken eine lange Tradition. Schon ­Walther von der Vogelweide, der wohl bedeutendste Dichter des Mittelalters, wirkte in Würzburg und starb hier um 1230. Wer jemals mit dem Mittelhochdeutschen konfrontiert wurde, kennt wahrscheinlich sein bekanntes Gedicht „Ich hân mîn lêhen, al die werlt, ich hân mîn lêhen“ („Ich hab’ mein Lehen, alle Welt, ich hab’ mein Lehen“), in dem er seine Dankbarkeit ausdrückt für ein von Kaiser Friedrich II. als Lohn überlassenes Stück Land respektive Haus in oder um Würzburg.

 

Koenig & Bauer wiederum, der älteste und zweit­größte Druckmaschinenhersteller der Welt, wurde 1817 in Würzburg gegründet und hat bis heute seinen Sitz am Main. Friedrich Koenigs Zylinderdruckmaschine druckte 1814 zum ersten Mal die Londoner Tages­zeitung „The Times“ mit Dampfmaschinenkraft. ­Diese lange Tradition und die damit verbundene Kompetenz strahlen bis in die Gegenwart hinein. Heute ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in Mainfranken ein echtes Schwergewicht. Mit rund 8500 Unternehmen zählt sie zu den bedeutenden und dynamischsten Wirtschaftszweigen der Region.

Aber was versteht man eigentlich unter der Kultur- und Kreativwirtschaft und wer gehört dazu? Alle Unternehmen und freiberuflich Selbstständigen, die ihr Geld mit Kunst, Kultur und Kreativität verdienen. Sie umfasst dabei elf Teilmärkte: den ­Architekturmarkt, den Buchmarkt, die Darstellenden Künste, die Designwirtschaft, die Filmwirtschaft, den Kunstmarkt, die Musikwirtschaft, den Pressemarkt, die Rundfunkwirtschaft, den Software-/Gamesmarkt und den Werbemarkt. In Deutschland lag 2021 die Bruttowertschöpfung in der Kultur- und ­Kreativwirtschaft mit insgesamt 1,8 Millionen tätigen Menschen bei rund 103,7 Mrd. Euro – und damit über dem Niveau des Maschinenbaus und noch vor anderen Branchen wie den Finanzdienstleistungen, der Energieversorgung oder der che­mischen Industrie (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2022, S. 14).

Auch in Mainfranken spielt die Kultur- und Kreativwirtschaft eine herausragende Rolle. Überdies ist sie Impulsgeber für andere Bereiche und den Lebensraum: Denn Medien vermitteln, Kultur stiftet Identität – beides sind wichtige Standortfaktoren, die Menschen zum Bleiben und im besten Fall sogar zum Zuzug bewegen. Vor diesem Hintergrund wächst auch zunehmend die Bedeutung der Kultur- und Kreativbranchen für die regionale Wirtschaftsförderung.

Aus der bunten und lebendigen mainfränkischen Medien- und Kreativlandschaft lassen sich hier nur einige Unternehmen ­herausgreifen: Als Zeitungsverlag dominiert die Medien­gruppe Main-Post, die seit 2010 zur Augsburger Mediengruppe ­Pressedruck (mit Augsburger Allgemeine, Südkurier Konstanz) gehört. Neben dem Flaggschiff „Main-Post“, gedruckt und digital, gibt sie verschiedene Regionalausgaben und Lokalzeitungen in Mainfranken heraus. Online-Medienplattformen wie „Würzburg erleben“ und „Schweinfurt City“ sprechen mit Social News, Infotainment und Diskussionen weitere, auch jüngere Zielgruppen und Communities an.

Das 1891 gegründete Würzburger Familienunternehmen Vogel Communications Group ist ein führender Anbieter von Fachkommunikation und Fachinformation. Die Unter­nehmensgruppe ist im deutschsprachigen Raum an neun Standorten u. a. in Berlin, Augsburg und München sowie international mit Schwerpunkt in China vertreten. Acht Kommunikationsagenturen und Service-Unternehmen, rund 100 Fachmedien in den Wirtschaftsfeldern Automotive, Industrie, Informa­tionstechnologie, Recht/Wirtschaft/Steuern und B2B-Kommunikation/Marketing mit bekannten Medienmarken wie „MM MaschinenMarkt“, „Automobil Industrie“, „kfz-betrieb“ oder “IT-Business“ sowie 300 Business-Events bilden den Kern des Angebots.

Games sind gleichermaßen Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor. Sie vereinen alle ­vorangegangenen Medien­formen wie Sprache, Text, Klang und ­Bewegtbild und erweitern diese durch ihre Interaktivität – dem Spielerischen und dem Sozialen – zu einer einzigartigen Erfahrung. Foto: Handy Games
Games sind gleichermaßen Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor. Sie vereinen alle ­vorangegangenen Medien­formen wie Sprache, Text, Klang und ­Bewegtbild und erweitern diese durch ihre Interaktivität – dem Spielerischen und dem Sozialen – zu einer einzigartigen Erfahrung. Foto: Handy Games

Als Buch- und Wissenschaftsverlage sind Königshausen & Neumann mit Geistes- und Kulturwissenschaften, der Echter Verlag als Fachverlag für Religion, Theologie, Spiritualität, Lebens­hilfe, religiöse Lyrik und auch fränkische Regionalliteratur sowie der zur Westermann-Gruppe gehörende Arena Verlag für Kinder- und Jugendliteratur zu nennen.

Natürlich gibt es rund um den Bischofssitz Würzburg auch konfessionelle Medien: seit 1850 die Kirchenzeitung „Würzburger katholisches Sonntagsblatt“ und seit 75 Jahren die „Tagespost“ als überregionale katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur.

Der Bayerische Rundfunk mit seinem Studio Würzburg berichtet mit rund 50 Mitarbeitern und Korrespondenten in ganz Unterfranken täglich aktuell aus Mainfranken in Hörfunk, Fernsehen, Online und Smartphone-App. Angeschlossen sind die BR-Studios Untermain und Main-Rhön in Aschaffenburg und Schweinfurt.

 

Private Rundfunkanbieter sind TV Mainfranken, mit 230.000 regelmäßigen Zuschauern im Monat unter den Top 5 aller ­bayerischen Fernsehsender, und das Funkhaus Würzburg, das mit den Sendern wie Radio Gong und Radio Charivari zwei 24-Stunden-Vollprogramme und die Online-Zeitung Main­franken24.de betreibt.

Erweitert wird das Spektrum der „Creative Industries“ durch namhafte Unternehmen aus der Software-/Games-Industrie. HandyGames beispielsweise mit Sitz in Giebelstadt und seit 2018 Teil der THQ Nordic Family/Embracer Group gehört zu den führenden Videospiel-Entwicklern und ist als internatio­naler Indie Games Publisher anerkannt.

Das STRAMU Würzburg ist eines der größten Festivals für Straßen­musik und Straßenkunst in Europa und lockt jährlich im September Hunderte Künstler und bis zu 100.000 Besucher in die Mainmetropole. Foto: Dita Vollmond/Stramu
Das STRAMU Würzburg ist eines der größten Festivals für Straßen­musik und Straßenkunst in Europa und lockt jährlich im September Hunderte Künstler und bis zu 100.000 Besucher in die Mainmetropole. Foto: Dita Vollmond/Stramu

Darüber hinaus gibt es in Mainfranken eine Vielzahl weiterer innovativer und erfolgreicher Unternehmen, die sich der Erstellung von Software sowie von Internet- und KI-Anwendungen verschrieben haben. Die Nähe zu leistungsstarken Hochschulen ist hier ein großer Standortvorteil, manchmal sogar der Ausgangspunkt für Neugründungen. Die Krick Unternehmens­familie aus Eibelstadt ist sowohl ein Informations- und Kommunikationsunternehmen mit Adress- und Verzeichnismedien als auch ein Dienstleister in den Bereichen Suchmaschinen­marketing, Providing, Webhosting, Webdesign, E-Commerce und Softwareentwicklung.

Last but not least runden Werbe- und Designagenturen das Bild dieses Wirtschaftszweiges ab, die – häufig mit nationalen ­Preisen und Awards ausgezeichnet – zahlenmäßig ein echtes Schwer­gewicht der Branche darstellen.

Zum Schluss noch ein Wort zur Musik: Europas größtes ­Musikhaus Thomann mit einem Milliardenumsatz sowie bundesweit agierende Konzertveranstalter wie ARGO Konzerte und Hertlein haben ihren Sitz in der Region. Und Festivals wie das renommierte Mozartfest, das 2021 (jung geblieben!) sein 100-jähriges Jubiläum feierte, der Kissinger Sommer, das ­Africa Festival als größtes Festival für afrikanische Kultur und Musik in ­Europa, der Schweinfurter Kultursommer, der Würzburger Hafen­sommer, die Umsonst & Draußen-Festivals in Würzburg und Karlstadt und das STRAMU als eines der größten euro­päischen Straßenmusik­festivals in Würzburg bilden das Herzstück einer überaus vitalen mainfrän­kischen Musikszene.

Und die Zukunftsperspektiven der Kultur- und Kreativ­wirtschaft in Mainfranken? Betrachtet man den Nachwuchs, so sind alle relevanten Ausbildungsberufe am Start. In der akademischen Ausbildung ­wiederum sind an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt in 20 Medien- und medienaffinen ­Studiengängen allein 7000 Studierende eingeschrieben. Nicht zu vergessen die Hochschule für Musik Würzburg als eine der ältesten und renommiertesten Musikausbildungsstätten Deutschlands mit rund 600 Studierenden.

Wer sich all das vor Augen führt, erkennt das große Potenzial und die Chancen dieser vielfältigen, prosperierenden und dynamischen Landschaft. Um die Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft in Main­franken muss einem nicht bange sein!

Titelbild: Das Mozartfest in der Würzburger Residenz ist ein Muss für Klassik-Fans. Ein besonders stimmungsvolles Erlebnis bietet dabei die Kleine Nachtmusik im Hofgarten. Foto: Peter Schumann