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Genießen in Mainfranken

Silvaner und Spargel gehören in Mainfranken einfach zusammen. Silvaner und Spargel gehören in Mainfranken einfach zusammen. Foto: Dwi/alp

DIE SPEISEKARTE DER REGION

Mainfranken ist traditionell immer auch Weinfranken. Das ist kein Klischee, die Schublade stimmt. In Mainfranken fühlt sich der Wein wohl, weil die Region über beste Voraussetzungen verfügt: Fruchtbare, charakterstarke Böden, ein mildes Klima und qualitätsbewusste, innovative Winzer – das fränkische Weinland ist als eines der besten deutschen Weinanbaugebiete fest etabliert. Eine gute Flasche Wein hat daher ihren festen Platz auf der Speisekarte der Region. Und diese bietet für Feinschmecker das ganze Jahr über reichlich Gelegenheiten zu kulinarischen Genüssen. Jede Jahreszeit deckt den Tisch auf ihre Weise, jede Saison fängt den Genuss ihrer Besonderheit ein.

Rhönlamm statt Languste

Der fränkische Spargel etwa ist im Frühling das königliche Entrée in das kulinarische Jahr, serviert nicht nur mit feinem Filet, sondern am liebsten typisch fränkisch mit Bratwürscht! Sobald die Sonnerstrahlen die Weiden im Biosphärenreservat Rhön wärmen und die Gräser wieder wachsen, ziehen die Hüteschäfer mit ihren Tieren los. Die Lämmer lassen sich die frischen Kräuter schmecken, was ihr Fleisch wiederum besonders zart und aromatisch macht. Im Sommer und Herbst ist die Zeit der Früchte, deren Aroma auch viele Brennereien im Spessart und im Steigerwald bewahren, ob Birne oder Quitte, Pflaume oder Mirabelle. Und von September bis April hat der Karpfen aus Frankens Seen und Weiher Saison, ob klassisch als „blau“ serviert oder modern interpretiert etwa als Filet in Müslikruste, und auch das Wildbret in Kombination mit heimischen Pilzen lockt in die Gasthäuser. Dieser Reichtum an heimischen Zutaten erklärt auch, warum der Franke oft lieber Lamm aus der Rhön anstatt Languste aus dem Atlantik wählt, Forelle und Karpfen aus der eigenen Zucht anstatt Schwertfisch, Blootz statt Pizza und in Schweinfurt natürlich die berühmte Schlachtschüssel.

Ein zarter Braten mit „Klöß“ geht in Franken immer. Foto: Radu Ferendino
Ein zarter Braten mit „Klöß“ geht in Franken immer. Foto: Radu Ferendino

Sternetradition und Landgasthofcharme

So zieht es Gourmets und Gourmands in Mainfranken nicht nur in die mit einem Michelin-Stern oder einem Bib Gourmand ausgezeichneten Restaurants. Das Restaurant Philipp in Sommerhausen etwa hat 2023 seinen 20 Michelin-Stern in Folge bekommen, das Restaurant Laudensack in Bad Kissingen gar den 30. Stern in Folge. Mit dem Kuno 1408 in Würzburg und dem Weinstock in Volkach hat Mainfranken aktuell insgesamt vier Sternehäuser zu bieten. Genießer finden in Mainfranken aber auch darüber hinaus reichlich Gelegenheiten, um Gerichte auch der Kategorie „reifer Bulle mit Schokoladenpastinake“ oder „Maronen an Orangensud“ zu kosten.

Zum Slowfood-Genussführer Deutschland trägt das Convivium Mainfranken traditionell die meisten Empfehlungen bei, aktuell sind das 25 Gasthäuser. Aber in vielen charmanten Gemeinden zwischen Main und Mittelgebirge pflegen und schätzen die Menschen eine authentische Genusstradition, und so zieht es Einheimische und Touristen vor allem auch zu den reichlich vorhandenen fränkischen Landgasthöfen, wo der fränkische Sauerbraten mit Lebkuchensoße oder das „Krenfleisch“ – gekochtes Rindfleisch mit Meerrettich – fast jede Speisekarte ziert. Und wo ein „Schäufele“ nicht fehlen darf, ein langsam gegartes, kräftig gewürztes Schulterstück vom Schwein, außen mit knuspriger Kruste und innen butterweich, dass sich das Fleisch fast von alleine löst.

Fazit: Die landschaftlich reizvolle Region zwischen Spessart im Westen, Rhön im Norden und Steigerwald im Osten verfügt auch kulinarisch über die notwendigen „Zutaten“, um einen Aufenthalt zu jeder Jahreszeit zum Erlebnis zu machen. Zu bedauern ist nur, dass nicht nur die Pandemie, sondern vor allem der auch in dieser Branche grassierende Personalmangel deutliche Spuren hinterlassen hat. Nicht wenige Häuser haben eingeschränkte Öffnungszeiten, können unter der Woche mittags gar nicht mehr öffnen oder können die theoretisch vorhandenen Plätze alle besetzen. Aber der Franke ist nicht nur wendig, witzig, lebensfroh und versteht es zu genießen, er findet immer auch einen Weg, um seinen Hunger und Durst anständig zu stillen.