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Auf dem Weg zur Post-Corona-Innenstadt

Rund 300 Firmen aus Handel, Dienstleistung, Kultur und Gastgewerbe mit ca. 6800 Mitarbeitern und einem jährlichen Gesamtumsatz von ca. 145 Mio. Euro im Wirtschaftsraum Würzburg sind im Würzburger Stadtmarketingverein „Würzburg macht Spaß“ zusammengeschlossen

Mainfrankens Ortszentren auf dem Weg zur Post-Corona-Innenstadt

Vitale Innenstädte laden zum Besuch und Verweilen ein. Doch dicht gedrängte Einkaufsstraßen, gut besuchte Restaurants, Cafés und Bars, kulturelle Events oder belebte Promenaden und Parks standen während der Corona-Pandemie im krassen Gegensatz zu Abstandsvorgaben, Zugangsbeschränkungen und Hygienevorschriften. Gerade die Konzentration an gewerblichen Angeboten, daseinsvorsorgebezogenen und öffentlichen Einrichtungen – sprich das, was den Anlass des Besuchs einer Innenstadt ausmacht – wurden ihr plötzlich zum Verhängnis.

So waren sich Stadtforscher kurz nach Ausbruch der Pandemie bereits einig, dass Corona als „Brandbeschleuniger“ laufende Prozesse der innerstädtischen Transformation deutlich forcieren werde. Eine Entwicklung im Zeitraffer also, weitreichend, aber eben ein linearer Prozess und keine plötzliche Zäsur in der Stadtgeschichte. Doch genau das ist das Trügerische an der aktuellen Entwicklung und sorgt dafür, dass man die Wirkung der Transformation leicht unterschätzt. Digitalisierung, Klimawandel, demographische Entwicklung, Verkehrswende, Konsumverhalten und Besuchererwartungen: tiefgreifenden Veränderungen müssen bewältigt werden, um die Attraktivität der Post-Corona-Innenstadt zu sichern. Sinkende Passantenfrequenzen, die Zunahme an Leerständen und der Rückgang der Aufenthaltsqualität betreffen nahezu alle innerstädtischen Gewerbetreibenden. Es braucht in der Post-Corona-Zeit also neue Konzepte und Impulse, um den drohenden Niedergang der Innenstadt entgegenzuwirken. 

Die Fußgängerzone in der „Schneewittchenstadt“ Lohr am Main
Die Fußgängerzone in der „Schneewittchenstadt“ Lohr am Main Foto: Stadt Lohr

Auch in Mainfranken machen sich Auswirkungen der Pandemie bemerkbar. So liegen die Passantenfrequenzen vielerorts noch unter den Zahlen der Zeit „vor Corona“. Hinzu kommen die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges, wie etwa die hohe Inflation und Lieferengpässe. Das Kaufverhalten hat sich verändert, Online-Handel und Konsumzurückhaltung wirken sich negativ auf die Umsätze rein stationär aktiver Händler aus. Gleichzeitig klagen Unternehmen aller Branchen über einen Mitarbeitermangel. Viele Geschäftsmodelle und Betriebsformen sind unter Druck geraten, was sich etwa an der Insolvenz von Textilketten aus dem Bereich der Fast Fashion mit Filialen in Mainfranken oder an der Schließung der Galeria-Filiale in Schweinfurt zeigt. Doch das zu Beginn der Pandemie befürchtete massenhafte Sterben des innerstädtischen Handels ist nicht eingetreten. 

Die Vollversammlung der IHK Würzburg-Schweinfurt hat bereits im Juli 2021 – sprich noch zur Hochphase der Pandemie – ein Aktionsprogramm verabschiedet, das die Vision einer Post-Corona-Innenstadt beschreibt.  Im Kern benennt das Papier drei wesentliche Erfordernisse, um die Vitalität der Zentren zu sichern:

  • Die Förderung der Multifunktionalität, sprich der Ausbau sich ergänzender Nutzungsmischungen mit einem attraktiven Mix aus Einkaufen, Kultur- und Kreativwirtschaft, Freizeit, Entspannung sowie Raum für Austausch und Begegnung. 
  • Die Förderung des Erlebnischarakters, bei der über die Versorgungsfunktion hinaus Erlebnisräume entwickelt werden, die eine emotionale Ansprache der Besucher zum Ziel haben.
  • Die Entwicklung von Konzepten für eine gute und dennoch zukunftsorientierte Erreichbarkeit der Innenstadt, für die digitale Sichtbarkeit von Kommunen und ihrer Gewerbetreibenden, aber auch zur Steigerung des Erlebniswerts. 

Mainfranken hat in seiner Vergangenheit immer wieder gezeigt, wie gerade in herausfordernden Zeiten Neues entstehen kann, denn aus Krisen ist die regionale Wirtschaft immer wieder erfolgreich hervorgetreten. Auf dem Weg unserer Ortszentren in die Post-Corona-Innenstadt ist neben der Prüfung und Umsetzung der bereits vorliegenden Ideen jedoch wichtig, dass alle innerstädtischen Akteure – von den Unternehmen über die Kommunen bis hin zu den Bewohnern und Immobilienbesitzern – sich ihrer Verantwortung bewusst werden und bei der Gestaltung von urbaner Vitalität und Attraktivität einbringen. Packen wir es also an!

Adventliches Treiben in der Innenstadt von Würzburg
Adventliches Treiben in der Innenstadt von Würzburg Foto: Andreas Kneitz

Rund 300 Firmen aus Handel, Dienstleistung, Kultur und ­Gastgewerbe mit ca. 6800 Mitarbeitern und einem jährlichen Gesamtumsatz von ca. 145 Mio. Euro im Wirtschaftsraum Würzburg sind im Würzburger Stadtmarketingverein „Würzburg macht Spaß“ zusammengeschlossen. Foto: Andreas Kneitz